{"id":1387,"date":"2015-05-04T11:49:30","date_gmt":"2015-05-04T11:49:30","guid":{"rendered":"http:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/?p=1387"},"modified":"2015-05-04T11:49:30","modified_gmt":"2015-05-04T11:49:30","slug":"krieg-am-zaun","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/krieg-am-zaun\/","title":{"rendered":"KRIEG AM ZAUN"},"content":{"rendered":"<p><em><strong>lindow, 4. mai 2015<\/strong><\/em><\/p>\n<p><strong>Nichts Arges f\u00fchrt &#8220;sputnik&#8221; im Sinne, als er morgens aus dem Wald kommt. Er schnuppert an Fr\u00fchlingsblumen, wedelt verhalten mit dem Schwanz und freut sich seines beschaulichen Lebens. Da f\u00e4hrt die Bestie auf ihn los. Mit gr\u00e4sslich aufgerissenem Rachen, frei gelegten Z\u00e4hnen, stinkendem Odem, und einem grauenvollen Knurren. Das Monster ist ein Deutscher Sch\u00e4ferhund. Todbringend. Gnadenlos. Gelb\u00e4ugig. Wenn nicht ein Zaun dieses Ungeheuer stoppen w\u00fcrde: Gnade Dir, &#8220;sputnik&#8221;.<\/strong><\/p>\n<p>Der Sch\u00e4ferhund ist ein Nachfahre von &#8220;Blondi&#8221;. Deren Besitzer ist dieser Tage wieder mal in den Schlagzeilen. Adolf Hitler hat vor 70 Jahren endg\u00fcltig ein ganzes Land vernichtet. Nun blieb ihm nichts mehr \u00fcbrig, als sich und die Seinen aus der Welt zu schaffen.<\/p>\n<p>Den Hund inklusive.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1393\" aria-describedby=\"caption-attachment-1393\" style=\"width: 259px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1393 size-medium\" src=\"http:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/IMG_4547-259x300.jpg\" alt=\"IMG_4547\" width=\"259\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/IMG_4547-259x300.jpg 259w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/IMG_4547-600x694.jpg 600w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/IMG_4547.jpg 847w\" sizes=\"auto, (max-width: 259px) 100vw, 259px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1393\" class=\"wp-caption-text\">Keens daheeme? Na, denn isset ja jut. FOTOS: BARBARA VOLKMER<\/figcaption><\/figure>\n<p>&#8220;Blondi&#8221; wurde 1934 geboren und stammte aus dem Wurf der Sch\u00e4ferh\u00fcndin von Gerdy Trost, einer bekannten Architektin.\u00a0Das F\u00fchrerbegleitkommando schenkte Hitler den Hund, nachdem Hitlers vorheriger Sch\u00e4ferhund gestorben war und er sich keinen neuen anschaffen wollte.<\/p>\n<p>Das Pr\u00e4sent hatten sich Hitlers Getreue fein ausgedacht. Endlich konnte der hart arbeitende Gr\u00f6\u00dfte Feldherr aller Zeiten ab und zu ein wenig vom Regieren ausspannen. \u201cHitler hatte das gr\u00f6\u00dfte Vergn\u00fcgen, wenn Blondi wieder ein paar Zentimeter h\u00f6her springen konnte\u2026 und er behauptete, die Besch\u00e4ftigung mit seinem Hund sei seine beste Entspannung.\u201d So schreibt es die Sekret\u00e4rin Traudl Junge in ihren &#8220;Erinnerungen&#8221;.<\/p>\n<p>Der &#8220;Zeit&#8221;-Autor Josef Marein hat sich schon bald nach dem Kriegsende mit scharfer Feder an den Ph\u00e4nomenen des Tausendj\u00e4hrigen Reichs abgearbeitet. Oft blieb ihm angesichts der Schrecken des Dritten Reichs nur noch gallebitterer Humor. So machte er sich auch Gedanken \u00fcber den Deutschen Sch\u00e4ferhund, an dessen Rasse auch die arische genesen sollte. &#8220;Blondi&#8221; also war das Thema, und Marein schrieb \u00fcber ein &#8220;Blondi&#8221;-Kindchen:<\/p>\n<p>&#8220;Was Hitlers Hunde betrifft, so sind sie, obwohl er in fast allen Berichten vorkommt, noch nicht geb\u00fchrend geschildert worden. Hitler hatte ein Tier einem Adjutanten geschenkt; der verehrte es seiner Frau; diese lie\u00df es einen Kinderwagen bewachen. Und wer am Roseneck in Berlin\u00a0ein wenig bekannt war, der sagte, wenn das stolze Tier neben dem Kinderwagen einherschritt: ,Das ist Hitlers Hund.&#8217; Er bewachte den Kinderwagen gut, und es leuchtete etwas wie Mutterliebe dabei aus seinen Augen, denn es war eine H\u00fcndin.&#8221;<\/p>\n<figure id=\"attachment_1396\" aria-describedby=\"caption-attachment-1396\" style=\"width: 197px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1396 size-medium\" src=\"http:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/IMG_4557-197x300.jpg\" alt=\"IMG_4557\" width=\"197\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/IMG_4557-197x300.jpg 197w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/IMG_4557-600x912.jpg 600w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/IMG_4557.jpg 645w\" sizes=\"auto, (max-width: 197px) 100vw, 197px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1396\" class=\"wp-caption-text\">Tschuldijung. Hab Ihnen jar nich jeseh&#8217;n. Darf ick mir vorstellen? sputnik. Wat? Sie wolln Zoff?<\/figcaption><\/figure>\n<p>Sie war wirklich eine treue Gef\u00e4hrtin, die allzeit sprungbereite &#8220;Blondi&#8221;. Wie Hitlers endete auch ihr Leben am 30.04.1945. An ihr wurden die Blaus\u00e4urekapseln getestet, mit denen sich Hitler sp\u00e4ter selbst richtete.<\/p>\n<p>Russische Wissenschaftler haben sich der Causa angenommen. Auf &#8220;Blondis&#8221; Schleimhaut der Zunge wurden \u201ezwei Splitter einer d\u00fcnnwandigen Glasampulle\u201c entdeckt, die Analyse ergab Zyanverbindungen. Verletzungen wurden nicht festgestellt. Der andere Hundekadaver im F\u00fchrerbunker \u2013 ein kleinerer, schwarzer Hund \u2013 hatte einen Kopfdurchschuss. \u201eFremdk\u00f6rper wurden im Maul nicht gefunden\u201c, hei\u00dft es im Protokoll. Die chemische Untersuchung ergab dennoch das \u201eVorhandensein von Zyanverbindungen.\u00a0Die Todesursachen sind eine Vergiftung durch Zyanverbindungen und eine t\u00f6dliche Kopfverletzung mit wesentlicher Zerst\u00f6rung der Gehirnsubstanz.\u201c<\/p>\n<p>Einer der ber\u00fchmtesten sowjetischen Gerichts\u00e4rzte der Zeit, Professor Dr. Wladimir Michajlowitsch Smoljaninow, kam zu dem Befund: &#8220;Das sieht einer sogenannten \u201aToxikologischen Probe\u2019 sehr \u00e4hnlich. Dem einen Hund hat man eine Ampulle im Maul zerdr\u00fcckt, der andere Hund mu\u00dfte die Ampulle verschlucken und wurde dann erschossen \u2013 mit einem Schuss von oben, wie aus dem Protokoll ersichtlich ist.\u201c<\/p>\n<p>Professor Smoljaninows Deutung wird best\u00e4tigt durch die Erinnerungen Otto G\u00fcnsches\u00a0<em>Hitlers SS-Adjutant): &#8220;<\/em>In einem Gang des F\u00fchrerbunkers standen Professor Haase\u00a0<em>(Werner Haase, zeitweilig Vertreter von Hitlers Leibarzt, Professor Brandt)\u00a0<\/em>und Feldwebel Tornow, der Hitlers Hund abgerichtet hatte. Haase hielt eine Ampulle mit Zyankali und eine Zange in der Hand. Er hatte von Hitler den Befehl erhalten, den Hund \u201aBlondi\u2018 zu vergiften. An \u201aBlondi\u2018 wollte Hitler die Wirkung des Giftes erproben. Um Mitternacht wurde \u201aBlondi\u2018 auf der Toilette vergiftet. Tornow ri\u00df dem Hund das Maul auf, und Haase griff hinein und zerdr\u00fcckte mit der Zange die Giftampulle. Das Gift wirkte auf der Stelle; bald darauf kam Hitler in die Toilette, um sich zu \u00fcberzeugen, da\u00df \u201aBlondi\u2018 tats\u00e4chlich vergiftet war. Er sagte kein Wort, sein Gesichtsausdruck ver\u00e4nderte sich nicht. Nach einer Minute schon kehrte er in sein Arbeitszimmer zur\u00fcck.&#8221;<\/p>\n<p>Der kleinere Hund war &#8220;Wolf&#8221;, ein Sohn von &#8220;Blondi&#8221;. \u00dcber seine T\u00f6tung berichtet G\u00fcnsche folgendes: &#8220;Feldwebel Tornow, Hitlers Hundew\u00e4rter, war v\u00f6llig betrunken, rannte im Bunker der Neuen Reichskanzlei herum und schrie: \u201aDer F\u00fchrer ist gestorben, rette sich, wer kann!\u2018 Unter den Insassen des Bunkers, besonders unter den Verwundeten, entstand eine Panik. Es stellte sich heraus, da\u00df Tornow zuvor die Welpen von \u201aBlondi\u2018, darunter auch \u201aWolf\u2018, die Hunde von Eva Braun und von Frau Christian\u00a0<em>(Hitlers Sekret\u00e4rin)\u00a0<\/em>und auch seinen eigenen Hund eigenh\u00e4ndig erschossen hatte.&#8221;<\/p>\n<figure id=\"attachment_1395\" aria-describedby=\"caption-attachment-1395\" style=\"width: 195px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1395 size-medium\" src=\"http:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/Barbara-Ellen-Volkmer-00220546-HighRes-195x300.jpg\" alt=\"Barbara-Ellen-Volkmer-00220546-HighRes\" width=\"195\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/Barbara-Ellen-Volkmer-00220546-HighRes-195x300.jpg 195w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/Barbara-Ellen-Volkmer-00220546-HighRes-600x922.jpg 600w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/Barbara-Ellen-Volkmer-00220546-HighRes.jpg 638w\" sizes=\"auto, (max-width: 195px) 100vw, 195px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1395\" class=\"wp-caption-text\">Friednsanjebot jef\u00e4llig? Na bitte.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Das war das Ende. Das Ende von Hitlers Hund zumindest. &#8220;sputniks&#8221; b\u00f6ser brandenburgischer Feind hinter Gittern ist jedoch quicklebendig. Der ist so zornig und so deutsch und so wachsam, dass man es mit der Angst bekommt.<\/p>\n<p>Und nur froh sein kann, dass es den Zaun zwischen &#8220;Blondis&#8221; Nachfahren und &#8220;sputnik&#8221; gibt. Der wiederum fasst sich nach dem ersten Schrecken schnell. Er kl\u00e4fft mutig durch den Draht. Dann dreht er ab, hebt das Bein, macht was &#8211; und stolziert in die freie Welt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>lindow, 4. mai 2015 Nichts Arges f\u00fchrt &#8220;sputnik&#8221; im Sinne, als er morgens aus dem Wald kommt. Er schnuppert an Fr\u00fchlingsblumen, wedelt verhalten mit dem Schwanz und freut sich seines beschaulichen Lebens. Da f\u00e4hrt die Bestie auf ihn los. 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