{"id":1350,"date":"2015-04-29T23:13:54","date_gmt":"2015-04-29T23:13:54","guid":{"rendered":"http:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/?p=1350"},"modified":"2015-04-29T23:35:04","modified_gmt":"2015-04-29T23:35:04","slug":"ziel-weltstar","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/ziel-weltstar\/","title":{"rendered":"ZIEL: WELTSTAR"},"content":{"rendered":"<p><em><strong>wien, 29. april 2015<\/strong><\/em><\/p>\n<p><strong>Im Prater zu Wien haben sie eine neue Attraktion: Bei &#8220;Madame Tussauds&#8221;, Filiale \u00d6sterreich, lockt Conchita Wurst, singendes Mannweib und Siegerin des Eurovision Song Awards 2014. In diesem Jahr ist die b\u00e4rtige Sirene der Lockvogel des Song Contests, der vom 17. bis zum 23. Mai Austrias Hauptstadt in den Ausnahmezustand bringt. Wer ist er eigentlich, dieses Fr\u00e4ulein Wurst. Lassen wir ihn\/sie doch selbst erz\u00e4hlen. Geredet hat sie\/er im letzten Jahr zur Gen\u00fcge.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><strong><em><span class=\"Apple-style-span\">&#8220;<\/span><\/em><\/strong><\/p>\n<p><span class=\"Apple-style-span\">Die M\u00e4dels, sofern sie es verstehen, finden in mir diesen schwulen besten Freund, von dem die Hetero-Frauen angeblich alle tr\u00e4umen. Aber es ist so belanglos, schwul zu sein. Ebenso wie es belanglos ist, hetero zu sein. Es geht um den Charakter. Man kann dreimal schwul sein und trotzdem einen Schei\u00dfcharakter haben. Ich finde es immer sehr seltsam, wenn man von der Sexualit\u00e4t darauf schlie\u00dft, dass es jetzt sehr lustig mit demjenigen ist.<\/span><\/p>\n<figure id=\"attachment_1359\" aria-describedby=\"caption-attachment-1359\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1359 size-medium\" src=\"http:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/IMG_4269-Kopie-3-300x225.jpg\" alt=\"IMG_4269 Kopie 3\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/IMG_4269-Kopie-3-300x225.jpg 300w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/IMG_4269-Kopie-3-600x450.jpg 600w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/IMG_4269-Kopie-3.jpg 980w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1359\" class=\"wp-caption-text\">&#8220;Ich will&#8230;<\/figcaption><\/figure>\n<p>Ich teile meine Kindheit in zwei Phasen, jene vor der Pubert\u00e4t und jene danach. Vor der Pubert\u00e4t war alles happy peppy. Ich habe mir die R\u00f6cke meiner Cousinen angezogen, bin in den Kindergarten mit Lackballerinas gegangen. Das geschah abseits von jeder Wertung.<\/p>\n<p><span class=\"Apple-style-span\">Meine Mama und meine Oma hatten kein Problem damit, und auch mein Papa fand\u2019s gro\u00dfartig. Mein Vater ist selbst ein gro\u00dfer Schauspieler, er hat sich immer k\u00f6stlich am\u00fcsiert, was ich so alles in den Medien gesagt habe.<\/span><\/p>\n<p>Meine Mama hat es akzeptiert, vielleicht aber oft auch nur, weil sie den morgendlichen Kampf gegen mich verloren hat. Eine Legende besagt, dass meine Oma mir meinen ersten Rock gekauft hat. Aber der Grund war nicht, weil sie das gut fand, sondern weil sie endlich aus dem Gesch\u00e4ft wollte. Auch meine Mama hat versucht \u2013 oft unter dem Einfluss von anderen \u2013, mir Frauenkleider auszureden. Aber sie hat schnell gemerkt, dass das nichts bringt. Es war ihr schlie\u00dflich egal. Das rechne ich meinen Eltern hoch an. Die hatten es sicher oft nicht leicht.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1357\" aria-describedby=\"caption-attachment-1357\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1357 size-medium\" src=\"http:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/IMG_4269-300x225.jpg\" alt=\"IMG_4269\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/IMG_4269-300x225.jpg 300w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/IMG_4269-600x450.jpg 600w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/IMG_4269.jpg 980w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1357\" class=\"wp-caption-text\">&#8230;nur&#8230;<\/figcaption><\/figure>\n<p><span class=\"Apple-style-span\">Rund um 2010 habe ich mich entschieden, eine Frau mit Bart sein zu wollen. Ich habe damals hier in Wien begonnen, eine Burlesque-Revue, Salon Kitty hie\u00df die, zu moderieren. Ich fand es lustig, mit Bart aufzutreten, ganz einfach weil mir der Bart gefiel. Kurz vor der Gro\u00dfen Chance kamen aber einige ernst gemeinte Ratschl\u00e4ge, dass ich mir den Bart abrasieren solle.<\/span><\/p>\n<p><span class=\"Apple-style-span\">Wenn ich es prozentuell aufteile, dann bin ich derzeit zu 80 Prozent Conchita und zu 20 Tom, wobei sich Tom auf Hotelzimmer und Indoor-Termine reduziert.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span class=\"Apple-style-span\">In der Zeit vor Conchita ist Tom wie ein Trottel ins Fitnessstudio gerannt, ich habe Proteinshakes getrunken, weil ich um alles in der Welt zunehmen und trainiert sein wollte. Aber mein K\u00f6rper hat gesagt: Nein. Mittlerweile mag ich es, wie ich bin, auch so. <\/span><\/p>\n<p><span class=\"Apple-style-span\">Ich verstehe viele Frauen, die mit ihrem K\u00f6rper ungl\u00fccklich sind. Es hei\u00dft ja immer, Hauptsache, man ist gesund. Aber das ist Heuchelei. In der Mode werden die gesunden M\u00e4dchen ja nicht gebucht.<\/span><\/p>\n<p><span class=\"Apple-style-span\">Tom ist derjenige, der die Wohnung putzt und die Rechnungen bezahlt, w\u00e4hrend Conchita ihr Lotterleben f\u00fchrt. Die beiden verschmelzen immer mehr, aber es gibt viele Kleinigkeiten, wo meine Freunde sagen, dass Tom und Conchita sehr verschieden sind.<\/span><\/p>\n<figure id=\"attachment_1355\" aria-describedby=\"caption-attachment-1355\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1355 size-medium\" src=\"http:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/IMG_4269-Kopie-4-300x225.jpg\" alt=\"IMG_4269 Kopie 4\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/IMG_4269-Kopie-4-300x225.jpg 300w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/IMG_4269-Kopie-4-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/IMG_4269-Kopie-4-600x450.jpg 600w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/IMG_4269-Kopie-4.jpg 1307w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1355\" class=\"wp-caption-text\">&#8230;meinen Look&#8230;<\/figcaption><\/figure>\n<p><span class=\"Apple-style-span\">Ich war als Tom bei Starmania, als Conchita bei der Gro\u00dfen Chance. Und in Deutschland in diversen Reality-TV-Shows unter anderem mit RTL in Afrika. Aber bei den Reality-Shows ging es um nichts.<\/span><\/p>\n<p><span class=\"Apple-style-span\">Ja &#8211; und dann habe ich letztes Jahr gewonnen. Conchita Wurst die Nummer Eins. Es war ein Traum.<\/span><\/p>\n<p><span class=\"Apple-style-span\">Ich glaube, es k\u00f6nnte mir Schlimmeres passieren, als st\u00e4ndig darauf aufmerksam gemacht zu werden, dass ich den gr\u00f6\u00dften Musikwettbewerb der Welt gewonnen habe. Das geh\u00f6rt zu mir. Und ich arbeite daran, dass es nicht das einzige Highlight bleibt.<\/span><\/p>\n<p><span class=\"Apple-style-span\">Alles, was ich tue, hat einen sehr, sehr egoistischen Ursprung. Ich stelle mich nicht vor das EU-Parlament, um jemandem zu gefallen, sondern weil ich das will. <\/span><\/p>\n<p>Auch ein Treffen mit Putin w\u00fcrde ich nicht ablehnen. Allerdings m\u00f6chte ich eine Woche mit Putin verbringen. Einfach, um ihn zu verstehen.\u00a0Was bedeutet es, Wladimir Putin zu sein? Welcher Druck lastet auf ihm? Damit entschuldige ich nicht seine diskriminierenden Gesetze. Aber durch dieses Verst\u00e4ndnis w\u00fcrde ich ihm gerne sagen: &#8220;Du wei\u00dft schon, dass es anders besser w\u00e4re.&#8221; Denn am Ende des Tages m\u00f6chte Putin nur respektiert werden.<\/p>\n<p>Das kenne ich.\u00a0Ich hatte viel Gegenwind, ich hatte viele Menschen, die mich total abgelehnt haben. Jetzt pl\u00f6tzlich ist man in der Situation, total akzeptiert zu sein.\u00a0F\u00fcr mich ist es ein gro\u00dfer Schritt, dass eine b\u00e4rtige Frau die wichtigste Pers\u00f6nlichkeit in einem Land sein kann. Es ist so wundersch\u00f6n zusehen, dass wir als Gesellschaft das Recht haben, zu wachsen. Und ich hoffe, dass es so weitergeht.<\/p>\n<p>Vielleicht habe ich mit vierzig keine Lust mehr, in High Heels herumzuwackeln. Derzeit w\u00fcrde ich nichts \u00e4ndern wollen. Nur eines vielleicht: meinen Look weiter zu perfektionieren.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1358\" aria-describedby=\"caption-attachment-1358\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1358 size-medium\" src=\"http:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/IMG_4269-Kopie-2-300x225.jpg\" alt=\"IMG_4269 Kopie 2\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/IMG_4269-Kopie-2-300x225.jpg 300w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/IMG_4269-Kopie-2-600x450.jpg 600w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/IMG_4269-Kopie-2.jpg 980w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1358\" class=\"wp-caption-text\">,,,weiter perfektionieren.&#8221;<\/figcaption><\/figure>\n<p><span class=\"Apple-style-span\">Ich habe prinzipiell selten einen Plan. Und schon gar keinen Plan B. Es gibt das grobe Konzept, das Spielr\u00e4ume l\u00e4sst ohne Ende: \u201cWeltstar\u201d &#8211; das ist ein frei interpretierbarer Begriff. Ich m\u00f6chte Musik machen. Ob ich einen Grammy bekomme, wei\u00df ich nicht \u2013 ich habe aber seit zw\u00f6lf Jahren den Traum. Und wenn ich das mache, was mir gef\u00e4llt, ist es schon mal ein richtiger Schritt, dass es eventuell erfolgreich sein k\u00f6nnte.<\/span><\/p>\n<div>Ich will mich am Ende zur\u00fccklehnen, mit hoffentlich 120 Jahren, und sagen k\u00f6nnen, dass ich etwas geleistet habe. Dass ich etwas beigetragen habe.<\/div>\n<div><\/div>\n<div style=\"text-align: right\"><strong>Morgen: Wiener Kongress, anno 2015<\/strong><\/div>\n<div><\/div>\n<div style=\"text-align: center\"><strong><em>&#8220;<\/em><\/strong><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>wien, 29. april 2015 Im Prater zu Wien haben sie eine neue Attraktion: Bei &#8220;Madame Tussauds&#8221;, Filiale \u00d6sterreich, lockt Conchita Wurst, singendes Mannweib und Siegerin des Eurovision Song Awards 2014. In diesem Jahr ist die b\u00e4rtige Sirene der Lockvogel des Song Contests, der vom 17. bis zum 23. Mai Austrias Hauptstadt in den Ausnahmezustand bringt. 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