{"id":1341,"date":"2015-04-28T20:56:03","date_gmt":"2015-04-28T20:56:03","guid":{"rendered":"http:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/?p=1341"},"modified":"2015-04-29T22:07:06","modified_gmt":"2015-04-29T22:07:06","slug":"sieg-fur-austria","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/sieg-fur-austria\/","title":{"rendered":"SIEG F\u00dcR AUSTRIA"},"content":{"rendered":"<p><em><strong>wien, 28. april 2015<\/strong><\/em><\/p>\n<p><strong>Der deutsche Querkopf Dieter &#8220;Didi&#8221; Hallervorden hat sich durch einen frechen Spruch (siehe auch &#8220;Journal&#8221; von gestern) in \u00d6sterreich sehr unbeliebt gemacht. So schnell wird ihm das nicht verziehen. Heute haben sich die Wiener noch einmal an dem unbotm\u00e4\u00dfigen \u00a0Berliner abgearbeitet. Dabei ist zur Zeit vieles faul im Staate. Wien und der Rest der Republik m\u00f6chten so sehr gerne feiern &#8211; aber die Brunnenvergifter sind all\u00fcberall unterwegs.<\/strong><\/p>\n<figure id=\"attachment_821\" aria-describedby=\"caption-attachment-821\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-821 size-medium\" src=\"http:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/IMG_2379-300x223.jpg\" alt=\"IMG_2379\" width=\"300\" height=\"223\" srcset=\"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/IMG_2379-300x223.jpg 300w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/IMG_2379-600x447.jpg 600w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/IMG_2379.jpg 980w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-821\" class=\"wp-caption-text\">Eine Stadt wie gemalt, dem Himmel so nah.<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: center\"><em>In Wien mu\u00dft&#8217; erst sterben, bevor&#8217;s dich hochleben lassen. Aber dann lebst&#8217; lang.<\/em><\/p>\n<p>Das hat der gro\u00dfe Mime Helmut Qualtinger gesagt. Der Mann trug schwer an seiner Heimatstadt: Er wollte nicht mit ihr und er konnte nicht ohne sie. Also hat er gegrantelt und geheult, gesoffen und berserkert &#8211; aus Wut und Zorn und Ohnmacht \u00fcber Wien, nur Wien allein.<\/p>\n<p>Nun ist der Helmut schon seit September &#8217;88 in der Grubn. Manchmal, m\u00f6cht&#8217; man meinen, Gevatter Tod hat es gut gemeint mit dem dicken Mann. Denn dieser Tage beispielsweise ist Wien eine Stadt, vor der sich der sensible Herr Qualtinger grauslig geforchten h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Da ist zum Beispiel der Kollege Hallervorden, Gast aus Deutschland, zur Zielscheibe der austrianischen Moralapostel geworden, weil er den \u00d6sterreichern eine gewisse patriotische Blasiertheit nachgewiesen hat. Auch am heutigen Dienstag kn\u00fcppeln sie noch auf den vorlauten Didi ein. Michael Jeann\u00e9e, Schaum-vorm-Mund-Kolumnist der &#8220;Kronen-Zeitung&#8221; l\u00e4sst sich nicht lumpen: Herr Hallervorden sei &#8220;an Peinlichkeit nicht zu \u00fcberbieten&#8221;, die Deutschen bek\u00e4men zu viele Kulturpreise &#8211; und \u00fcberhaupt: Ist nicht \u00d6sterreich eh besser?<\/p>\n<figure id=\"attachment_1346\" aria-describedby=\"caption-attachment-1346\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1346 size-medium\" src=\"http:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/IMG_4163-300x225.jpg\" alt=\"IMG_4163\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/IMG_4163-300x225.jpg 300w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/IMG_4163-600x450.jpg 600w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/IMG_4163.jpg 980w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1346\" class=\"wp-caption-text\">Alles hat Gr\u00f6\u00dfe, Tr\u00e4ume wachsen ins Elysium.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Da haben wir ihn wieder mal: einen tief wurzelnden Minderwertigkeitskomplex, den die \u00d6sterreicher schon zu Qualtingers Zeiten auf ihre eigene Art kompensierten:<\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>A Unentschieden is a Sieg f\u00fcr \u00d6sterreich!<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: left\">Bald schon, Mitte Mai, wird Wien der Nabel der Welt sein. Da gibt es einen S\u00e4ngerwettstreit, auf den sich Austria mindestens so freut wie auf Olympia im eigenen Land. Dann ist Grand Prix d&#8217;Eurovision &#8211; und die Nation wird Kopf stehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left\">Bis dahin haben sie aber noch ein paar Dinge abzuarbeiten:<\/p>\n<p style=\"text-align: left\">Das mit ihrer Rolle in der Nazizeit kriegen sie nicht so recht auf die Reihe. Und auch nicht die Jahre nach dem Kriegsende. Heute lobt der &#8220;Standard&#8221; den &#8220;Republikgr\u00fcnder&#8221; Karl Renner (einen, der die Juden nicht besonders mochte): &#8220;Ein jovialer Biedermann, trickreich und verschlagen. Er war kein ,gro\u00dfer Mann&#8217;, kein Ehrfurchtsobjekt, aber seine Kunst des schlauen Durchwurschtelns hat in einer entscheidenden Situation funktioniert.&#8221;<\/p>\n<figure id=\"attachment_1347\" aria-describedby=\"caption-attachment-1347\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1347 size-medium\" src=\"http:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/IMG_4167-300x214.jpg\" alt=\"IMG_4167\" width=\"300\" height=\"214\" srcset=\"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/IMG_4167-300x214.jpg 300w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/IMG_4167-600x428.jpg 600w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/IMG_4167.jpg 980w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1347\" class=\"wp-caption-text\">Und wenn es mal nicht voran geht, wurschtelt man sich schon durch.<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: left\">Klasse, wenn ein Land solche Vorbilder hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: left\">Aber egal, sagen sich der \u00d6si. Hauptsache, er wei\u00df sich tolerant. 72 Prozent der \u00d6sterreicher glauben das von sich, so kommuniziert das heute &#8220;meinungsraum&#8221; nach einer repr\u00e4sentativen Umfrage. Ergebnis ist freilich auch, dass 60 Prozent der \u00d6sterreicher argw\u00f6hnen, ihre Mitmenschen seien genau das Gegenteil von tolerant.<\/p>\n<p style=\"text-align: left\">Des Weiteren erfahren wir, dass die \u00d6sterreicher ein Volk der 42-Prozenter sind. 42 Prozent der Menschen in Wien und im Rest der Republik finden&#8217;s bl\u00f6d, wenn:<\/p>\n<p style=\"text-align: left\">&#8230;zwei schwule Kerle ein Kind adopotieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: left\">&#8230;eine Verk\u00e4uferin ein Kopftuch tr\u00e4gt.<\/p>\n<p style=\"text-align: left\">&#8230;in der Nachbarschaft ein buddhistisches Zentrum erbaut wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: left\">Das nennt man wohl aufrecht und wertkonservativ. Das sind kernige Aussagen, an denen sich nicht deuteln l\u00e4sst. Das hat was.<\/p>\n<p style=\"text-align: left\">Oder?<\/p>\n<p style=\"text-align: left\">Oder sollte man an den Qualtinger denken? Der hat mal geseufzt:<\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>Manchmal wei\u00df ich nicht, ob ich ein Wiener oder ein Mensch bin.<\/em><\/p>\n<figure id=\"attachment_1348\" aria-describedby=\"caption-attachment-1348\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1348 size-medium\" src=\"http:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/IMG_4069-300x171.jpg\" alt=\"IMG_4069\" width=\"300\" height=\"171\" srcset=\"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/IMG_4069-300x171.jpg 300w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/IMG_4069-600x341.jpg 600w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/IMG_4069.jpg 980w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1348\" class=\"wp-caption-text\">Im Mai geht&#8217;s um die Wurst &#8211; da bl\u00fcht den Wienern was. FOTOS: BARBARA VOLKMER<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"text-align: right\"><strong>Morgen:\u00a0Es geht um die Wurst<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>wien, 28. april 2015 Der deutsche Querkopf Dieter &#8220;Didi&#8221; Hallervorden hat sich durch einen frechen Spruch (siehe auch &#8220;Journal&#8221; von gestern) in \u00d6sterreich sehr unbeliebt gemacht. So schnell wird ihm das nicht verziehen. Heute haben sich die Wiener noch einmal an dem unbotm\u00e4\u00dfigen \u00a0Berliner abgearbeitet. Dabei ist zur Zeit vieles faul im Staate. 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