{"id":1198,"date":"2015-04-14T12:37:20","date_gmt":"2015-04-14T12:37:20","guid":{"rendered":"http:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/?p=1198"},"modified":"2015-04-14T12:40:52","modified_gmt":"2015-04-14T12:40:52","slug":"flieger-zur-sonne","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/flieger-zur-sonne\/","title":{"rendered":"FLIEGER ZUR SONNE"},"content":{"rendered":"<p><em><strong><span class=\"Apple-style-span\">uckermark, 14. april 2015<\/span><\/strong><\/em><\/p>\n<p><strong>Ulf und Marta haben&#8217;s nicht mit der Zuverl\u00e4ssigkeit. &#8220;Besorgniserregend&#8221; ist in den Augen des Wissenschaftlers Bernd-Ulrich Meyburg ihr Reiseverhalten. &#8220;So kommen sie auf keinen Fall p\u00fcnktlich zur\u00fcck nach Deutschland.&#8221; Er erwartet Ulf und Marta fr\u00fchestens Anfang Mai in der Heimat zur\u00fcck. Dann ist es zu sp\u00e4t zum Turteln und zum Br\u00fcten &#8211; und das war&#8217;s dann in diesem Jahr mit dem Nachwuchs. Es ist zum Federn-Ausrei\u00dfen. Diese zwei Schreiadler machen einen noch ganz wuschig.<\/strong><\/p>\n<p>Da haben die Wissenschaftler ihnen Sender angeheftet &#8211; und m\u00fcssen nun ohnm\u00e4chtig beobachten, wie wechseleweise Ulf und dann wieder Marta in den weiten Afrikas vom Schirm verschwinden. Vor zwei Wochen hie\u00df es &#8220;Kein Zeichen von Ulf&#8221;. Der sendet zwar nach der Funkstille endlich wieder, daf\u00fcr spielt aber nun Marta &#8220;Toter Adler&#8221;. W\u00e4hrend ihr Gef\u00e4hrte auf der \u00fcblichen Route f\u00fcr den Fr\u00fchjahrszug \u00c4thiopien und Eritrea \u00fcberflogen und den Sudan in der N\u00e4he des Roten Meeres erreicht hat und in K\u00fcstenn\u00e4he weiter n\u00f6rdlich zieht, treibt sich Marta wo-auch-immer rum.<\/p>\n<p id=\"644_1\" class=\"Text\">In\u00a0Uganda und dem S\u00fcdsudan haben die Schreiadler\u00a0f\u00fcr l\u00e4ngere Zeit aufgehalten und Nahrung gesucht. Dabei haben sie ziemlich getr\u00f6delt, n\u00f6len die Wissenschaftler. &#8220;Es ist eine absolute Ausnahme, dass die Schreiadler auf dem Fr\u00fchjahrszug so lange dort bleiben&#8221;, sagt Greifvogel-Experte Meyburg. Er geht davon aus, dass es in den \u00dcberwinterungsgebieten der meisten Adler im s\u00fcdlichen Afrika zu trocken war, und sie deshalb die Rast in Uganda und dem S\u00fcdsudan eingelegt haben.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1205\" aria-describedby=\"caption-attachment-1205\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1205 size-medium\" src=\"http:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/IMG_3841-300x232.jpg\" alt=\"IMG_3841\" width=\"300\" height=\"232\" srcset=\"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/IMG_3841-300x232.jpg 300w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/IMG_3841-600x463.jpg 600w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/IMG_3841.jpg 980w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1205\" class=\"wp-caption-text\">In Erregung schreit er zwei- bis dreimal kr\u00e4ftig \u201etj\u00fcck\u201c, das h\u00f6rt sich auch wie \u201ej\u00fcck\u201c oder \u201ej\u00fcb\u201c an. Beim Balzflug pfeift das M\u00e4nnchen \u201ewiiik\u201c. Die Rufe der Jungv\u00f6gel \u00e4hneln bereits im Alter von etwa 20 Tagen weitgehend denen der erwachsenen Tiere.<\/figcaption><\/figure>\n<p id=\"308_3\" class=\"Text\">Eine lange Reise ist das jedesmal, Deutschland-s\u00fcdliches Afrika und retour. Die meisten Adler segelten am 1. Oktober 2014 in der N\u00e4he von Tel Aviv vorbei &#8211; 22248 wurden gez\u00e4hlt. An diesem Tag herrscht traditionell der meiste Schreiadler-Luftverkehr in der Gegend. Marta und Ulf, die Sp\u00e4tstarter aus der Uckermark, waren da noch in der T\u00fcrkei. Sie erreichten Israel wenige Tage sp\u00e4ter.<\/p>\n<p id=\"508_4\" class=\"Text\">Im Herbst also zogen sie fast geradlinig vom \u00e4gyptischen Suez bis an die Grenze Ugandas, beg\u00fcnstigt durch R\u00fcckenwind. Im Fr\u00fchjahr w\u00e4hlen die V\u00f6gel nicht den geraden Weg durch die Sahara, sondern fliegen am Rande von Gebirgsz\u00fcgen entlang der Grenze des S\u00fcd-Sudan und \u00c4thiopiens und quer durch Eritrea zum Roten Meer. Im Fr\u00fchjahr finden sie dort an den Bergh\u00e4ngen g\u00fcnstige Aufwinde.\u00a0\u201eWie andere Greifv\u00f6gel orientieren sie sich beim Zug am Magnetfeld der Erde, aber sie navigieren auch entlang markanter Landmarken wie Gebirgsketten und K\u00fcstenlinien\u201c, sagt Vogel-Fachfrau Andrea Kinser. Dabei ist der Fr\u00fchjahrszug in die Brutgebiete auch wegen der Wilderei\u00a0nicht ungef\u00e4hrlich: In den L\u00e4ndern des Nahen Ostens und der T\u00fcrkei gilt es trotz internationaler Schutzabkommen noch immer als Statussymbol, einen Greifvogel zu erlegen.<\/p>\n<p><span class=\"Apple-style-span\">Im Winter haben sich die Adler \u00fcbrigens nicht auf die faule Feder gelegt. Ein Exemplar segelt beispielshalber in Sambia \u00fcber ein 25.000 Quadratkilometer gro\u00dfes Areal, ein \u00fcber mehrere Jahre untersuchter slowakischer Adler suchte in jedem Winter andere Gebiete in den L\u00e4ndern Simbabwe, Mosambik und S\u00fcdafrika auf und legte dabei in zwei Wintern Entfernungen von 2269 und 1919 Kilometer zur\u00fcck.<\/span><\/p>\n<figure id=\"attachment_1203\" aria-describedby=\"caption-attachment-1203\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1203 size-medium\" src=\"http:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/IMG_3854-300x186.jpg\" alt=\"IMG_3854\" width=\"300\" height=\"186\" srcset=\"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/IMG_3854-300x186.jpg 300w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/IMG_3854-600x373.jpg 600w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/IMG_3854.jpg 980w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1203\" class=\"wp-caption-text\">Hat \u00fcberlebt, der S\u00fc\u00dfe. Zwei kleine Schreiadler schl\u00fcpfen &#8211; das Erstgeborene hackt in der Regel den Nachk\u00f6mmling tot. Das ist Natur pur.<\/figcaption><\/figure>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nun geht es also nach Hause. Dort wird gebr\u00fctet, den Tieren machen intensive Land- und Forstwirtschaft und zunehmend St\u00f6rungen durch Windenergieanlagen zu schaffen.<\/p>\n<p>Es ist nicht gerade das Paradies auf Erden, doch was soll&#8217;s? Zur\u00fcck in der Uckermark wird Ulf sich in die Luft schrauben und den Adlerinnen den perfekten &#8220;Girlandenflug&#8221; vorf\u00fchren.<\/p>\n<p>Die Vogelsch\u00fctzer werden dann ger\u00fchrt zusehen. Und die Martas, die die lange Reise aus Afrika in die Mark \u00fcberstanden haben, werden gn\u00e4dig mit Ulf sein.<\/p>\n<p>Hoffen wir mal, dass die richtige Marta unter ihnen ist. Ihre letzten Daten hat sie Ende M\u00e4rz gefunkt. Da war sie noch in Uganda.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>uckermark, 14. april 2015 Ulf und Marta haben&#8217;s nicht mit der Zuverl\u00e4ssigkeit. &#8220;Besorgniserregend&#8221; ist in den Augen des Wissenschaftlers Bernd-Ulrich Meyburg ihr Reiseverhalten. &#8220;So kommen sie auf keinen Fall p\u00fcnktlich zur\u00fcck nach Deutschland.&#8221; Er erwartet Ulf und Marta fr\u00fchestens Anfang Mai in der Heimat zur\u00fcck. 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