{"id":1177,"date":"2015-04-11T20:35:20","date_gmt":"2015-04-11T20:35:20","guid":{"rendered":"http:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/?p=1177"},"modified":"2015-04-12T07:06:00","modified_gmt":"2015-04-12T07:06:00","slug":"quatsch-mit-sosse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/quatsch-mit-sosse\/","title":{"rendered":"QUATSCH MIT SOSSE"},"content":{"rendered":"<p><em><strong><span class=\"Apple-style-span\">hamburg\/berlin, 11. april 2015<\/span><\/strong><\/em><\/p>\n<p><strong><span class=\"Apple-style-span\">In Berlin haben sie wieder eine neue &#8220;Baustelle&#8221;. Jetzt wollen sie den Checkpoint Charlie clean haben und im Zuge der S\u00e4uberung auf der Friedrichstra\u00dfe dort eine geile Currywurst-Bude hochziehen, wo fr\u00fcher die Mauer Ost und West separiert hat. Denn bei dem Thema f\u00fchlen sich die Berliner echt stark: Currywurst &#8211; das ist ihr Ding. Daran \u00e4ndert auch der Schreiberling Uwe Timm nichts, der die &#8220;Entdeckung der Currywurst&#8221; in die Hansestadt Hamburg verortet. Quatsch mit schaler So\u00dfe ist das, sagen die Berliner. &#8220;Die Wurst geh\u00f6rt uns.&#8221;<\/span><\/strong><\/p>\n<p><span class=\"Apple-style-span\">Schlie\u00dflich haben sie &#8220;Konnopke&#8221; an der Sch\u00f6nhauser Allee. Mehr Currywurst, so behaupten Einheimische, geht nicht. Das Gesch\u00e4ft von Max Konnopke begann 1930 zun\u00e4chst mit einem Bauchladen. Aus diesem wurden nach dem Krieg 1947 ein Wurstwagen und 15 Jahre sp\u00e4ter schlie\u00dflich ein fester Kiosk.\u00a0<\/span><\/p>\n<figure id=\"attachment_1175\" aria-describedby=\"caption-attachment-1175\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1175 size-medium\" src=\"http:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/IMG_3634-300x210.jpg\" alt=\"IMG_3634\" width=\"300\" height=\"210\" srcset=\"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/IMG_3634-300x210.jpg 300w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/IMG_3634-600x421.jpg 600w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/IMG_3634.jpg 980w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1175\" class=\"wp-caption-text\">Am Anfang war die Wurst.<\/figcaption><\/figure>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gleich nach dem Krieg hatte eine andere B\u00fcrgerin der Stadt eine Idee.\u00a0Herta Heuer\u00a0bot erstmals am 4.\u00a0September 1949 an ihrem\u00a0Imbissstand\u00a0an der Ecke\u00a0Kantstra\u00dfe\/Kaiser-Friedrich-Stra\u00dfe\u00a0gebratene Br\u00fchwurst mit einer Sauce aus Tomatenmark, Currypulver\u00a0und weiteren Zutaten an. So jedenfalls hat sie es bis zu ihrem Tod jedem erz\u00e4hlt, der es nicht h\u00f6ren wollte. Am 21. Januar 1959 wurde ihr auf ihre Anmeldung vom 21. Februar 1958 die\u00a0Bildmarke\u00a0\u201eChillup\u201c unter der Nummer 721319 als Warenzeichen f\u00fcr \u201eSpezial-Sosse\u201c in die Zeichenrolle des\u00a0Deutschen Patentamts\u00a0eingetragen.<\/p>\n<p>Das war sie also, die Currywurst. Helles Br\u00e4t, eine darmlose, in \u00d6l gesottene Bratwurst und eine hausgemachte Curryso\u00dfe &#8211; basta. Jut is!<\/p>\n<p>Und besser als in Berlin &#8211; das gibt es nicht. Basta!<\/p>\n<p>Wirklich?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<figure id=\"attachment_1172\" aria-describedby=\"caption-attachment-1172\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1172 size-medium\" src=\"http:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/IMG_3633-300x225.jpg\" alt=\"IMG_3633\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/IMG_3633-300x225.jpg 300w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/IMG_3633-600x450.jpg 600w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/IMG_3633.jpg 980w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1172\" class=\"wp-caption-text\">Da sagte der Herr:<\/figcaption><\/figure>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Erstens gibt es durchaus Zweifel daran, dass die Currywurst als Markenbotschafterin des Deutschen Reinheitsgebots ins Rennen geschickt werden sollte.<\/p>\n<p>Michael Pollan zum Beispiel sp\u00fcrt da so ein Bauchgrimmen. Mit mehreren Bestsellern hat er sich zum wichtigsten Food-Philosophen der USA hoch geschrieben &#8211; und er erkl\u00e4rt:<\/p>\n<p>&#8220;Die Wurst sieht aus wie fr\u00fcher, aber sie ist nicht mehr wie fr\u00fcher, sie kommt von Tieren, die anders gehalten werden, die anders essen, die mit Antibiotika vollgestopft werden. Das Problem ist, dass diese Dinge f\u00fcr uns unsichtbar gemacht werden. Ihre Currywurst ist ideal f\u00fcr die Strategie dieser Industrie: Man kann verstecken, was man wirklich macht. Keiner sieht es der Wurst an.&#8221;<\/p>\n<p>Eigentlich sollte nun ganz Germanien wie ein Mann zusammen stehen, um den guten Ruf der Currywurst zu verteidigen. Doch was geschieht?<\/p>\n<p>Man streitet.<\/p>\n<p>Die Bayern wollen von dem &#8220;Konopke&#8221;-Zeug nix wissen, weil sie mit der Wei\u00df- ihre eigene Problemwurst haben.\u00a0Aber schon im Ruhrpott meinen sie, nur sie d\u00fcrften das Hohelied des darmlosen Bratlings anstimmen. Das tut dann der Barde Herbert Gr\u00f6nemeyer, ein bekannt spa\u00dffreier Zeitgenosse, der der &#8220;Currywuas&#8221; gro\u00dfe Sinnlichkeit andichten will. Nicht sonderlich witzig sein Song, aber bis 3,0 Promille gr\u00f6lbar.<\/p>\n<p>Der ehemalige Kanzler Schr\u00f6der seinerseits h\u00e4tte fast beim Regieren geschw\u00e4chelt, weil seine Gattin ihm die Wurst verbieten wollte. Da hat er kurzerhand &#8216;ne Andere genommen, die mit ihm durch Wurst und d\u00fcnn gegangen ist &#8211; jedenfalls bis vor ein paar Wochen. Nun muss\/darf er das Br\u00e4t wieder solo vertilgen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1174\" aria-describedby=\"caption-attachment-1174\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1174 size-medium\" src=\"http:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/IMG_3646-300x157.jpg\" alt=\"IMG_3646\" width=\"300\" height=\"157\" srcset=\"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/IMG_3646-300x157.jpg 300w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/IMG_3646-600x314.jpg 600w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/IMG_3646.jpg 980w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1174\" class=\"wp-caption-text\">Kommet alle zu mir!<\/figcaption><\/figure>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Aber Berlins erbittertste Konkurrenten sind die Hamburger. Auf der M\u00f6nckebergstra\u00dfe haben sie einen Stand, in dem herrliche W\u00fcrste ins Fett kommen, und die So\u00dfe ist lecker. Gestern standen gar zwei spanische Gesch\u00e4ftsleute &#8211; eine aparte Dame und ein Herr im Ma\u00dfanzug &#8211; in der Fr\u00fchlingssonnen und pieksten begeistert auch noch den letzten Fleischbatzen vom Pappteller. Und auch auf den &#8220;Alsterterassen&#8221; gab&#8217;s die Currywurst frisch. Dazu das Besteck in einer Papiert\u00fcte, auf der stand: &#8220;Das Leben ist sch\u00f6n.&#8221;<\/p>\n<figure id=\"attachment_1169\" aria-describedby=\"caption-attachment-1169\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1169 size-medium\" src=\"http:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/IMG_3627-300x264.jpg\" alt=\"IMG_3627\" width=\"300\" height=\"264\" srcset=\"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/IMG_3627-300x264.jpg 300w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/IMG_3627-600x527.jpg 600w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/IMG_3627.jpg 980w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1169\" class=\"wp-caption-text\">Und sie kamen und fanden es gut.<\/figcaption><\/figure>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Menschen flanierten, das Wochenende war so nah. Am Nachbartisch hatte einer Apfelkuchen. Der Mann genoss den Augenblick.<\/p>\n<p>Und der mutige Wurst-Liebhaber? Der musste konstatieren, dass auch die Hamburger ab und an nur mit Wasser kochen oder mit dem falschen Fett braten. Die Wurst war so mittelm\u00e4\u00dfig, wie sie in den meisten Berliner Buden auch ist. Die So\u00dfe? Echt scharf war die auch nicht.<\/p>\n<p>Aber was soll&#8217;s? Dem Esser an der Alster war das ziemlich wurst. Auch ohne Curry war das Leben sch\u00f6n. Und, wie man h\u00f6rt, schien zu dieser Stunde auch am Checkpoint Charlie die Sonne. Das l\u00e4sst hoffen f\u00fcr Deutschland.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1173\" aria-describedby=\"caption-attachment-1173\" style=\"width: 222px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1173 size-medium\" src=\"http:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/IMG_3637-222x300.jpg\" alt=\"IMG_3637\" width=\"222\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/IMG_3637-222x300.jpg 222w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/IMG_3637-757x1024.jpg 757w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/IMG_3637-600x811.jpg 600w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/IMG_3637.jpg 980w\" sizes=\"auto, (max-width: 222px) 100vw, 222px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1173\" class=\"wp-caption-text\">Sie riefen: Es werde Wurst. Sie a\u00dfen und sie tranken. Und alles ward gut. FOTOS: BARBARA VOLKMER<\/figcaption><\/figure>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>hamburg\/berlin, 11. april 2015 In Berlin haben sie wieder eine neue &#8220;Baustelle&#8221;. Jetzt wollen sie den Checkpoint Charlie clean haben und im Zuge der S\u00e4uberung auf der Friedrichstra\u00dfe dort eine geile Currywurst-Bude hochziehen, wo fr\u00fcher die Mauer Ost und West separiert hat. 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