{"id":1034,"date":"2015-03-27T21:49:49","date_gmt":"2015-03-27T21:49:49","guid":{"rendered":"http:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/?p=1034"},"modified":"2015-03-27T21:49:49","modified_gmt":"2015-03-27T21:49:49","slug":"die-hass-berge","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/die-hass-berge\/","title":{"rendered":"DIE HASS-BERGE"},"content":{"rendered":"<p><em><strong>lindow, 27. m\u00e4rz 2015<\/strong><\/em><\/p>\n<p><strong>K\u00fchl und grau ist es am See. Aber im Wald piepen sich Meise und Co die Fr\u00fchlingsgef\u00fchle aus den Federn. D\u00fcrr steht das Schilf am Ufer, aber an den Weiden plustern sich schon die ersten Knospen auf. Noch sind die Wiesen winterbraun, doch an einigen Stellen lugen die ersten Schl\u00fcsselblumen ins Freie. In einer Woche ist Ostern, \u00fcbermorgen wird die Uhr auf sommerliche Zeit umgestellt. Das &#8220;Journal&#8221; l\u00e4utet die neue Jahreszeit ein. Das Thema der kleinen Serie lautet &#8220;Natur pur&#8221;. Folge 1: Dieser Dreckkerl!<\/strong><\/p>\n<p>Das Fr\u00fchjahr also soll uns erfreuen, aber wie kann ein denkender G\u00e4rtner noch Befriedigung und Vorfreude empfinden, wenn er im M\u00e4rz den Rasen betritt? Es gibt Jahre, da h\u00e4lt sich das Grauen in Grenzen &#8211; doch 2015 hat es der Vollidiot, der haarige, wirklich arg getrieben. Hat gebohrt und gew\u00fchlt, hat einen Haufen neben dem anderen durch die Grasnabe geschoben. Der Garten hat Akne, klitzekleine Drecksvulkane \u00fcberall. Sogar die Krokusse sind von unten gemeuchelt worden.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1040\" aria-describedby=\"caption-attachment-1040\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1040 size-medium\" src=\"http:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/IMG_3360-300x225.jpg\" alt=\"IMG_3360\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/IMG_3360-300x225.jpg 300w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/IMG_3360-600x450.jpg 600w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/IMG_3360.jpg 980w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1040\" class=\"wp-caption-text\">Aus der Tiefe kommt das Grauen. FOTOS: BARBARA VOLKMER<\/figcaption><\/figure>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ein Passant bleibt am Zaun stehen und grient. &#8220;Ganz sch\u00f6n fleissicher Maulwurf, den&#8217;De da hast.&#8221;<\/p>\n<p>Ja klar! Wer den H\u00fcgel hat, braucht f\u00fcr den Spott nicht zu sorgen. Ein Maulwurf im Garten zeigt dem homo sapiens die Grenzen aller Weisheit auf. Da kann man reden, mit wem man will: Niemand wei\u00df, wie man den Dreckskerlen, die angeblich obendrein blind sein sollen, beikommen kann.<\/p>\n<p>Im s\u00e4chsischen Lichtenhain erkl\u00e4rte ein alter Mann, er habe in seinem langen Leben alles gegen die Maulw\u00fcrfe probiert, nun lasse er ihnen ihren Willen. Im oberbayerischen Unterammergau gibt es einen Mann mittleren Alters, dem das Wildern nachgesagt wird und der &#8211; f\u00fcr ein ordentliches Schwarzgeld &#8211; mit einer illegalen Chemiekeule arbeitet. Im oberfr\u00e4nkischen Reundorf sagt der Bauer Schorsch, die Maulw\u00fcrfe seien die Sache seiner Frau. &#8220;Ich hab&#8217; meine Felder, da fallen die paar H\u00fcgel nicht auf. Und wenn sich meine Alte \u00fcber den Maulwurf im Garten aufregt, sage ich ihr, das soll sie mit den Kollegen vom Gartenbauverein ausmachen.&#8221;<\/p>\n<p>In Brandenburg soll es jemanden geben, der das passende Gift vertreibt. Doch der Typ ist so schwer aufzutreiben wie ein gewissenhafter Dealer.<\/p>\n<p>Also bleibt dem Otto Normal-G\u00e4rtner nichts \u00fcbrig als seufzend die H\u00fcgel abzutragen und zu hoffen, dass das Drecks-Vieh endlich in eine Art Sommerschlaf f\u00e4llt. Bis dahin kann man nicht umhin, das Tier als Sieger nach Punkten und durch K.O. zu akzeptieren.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1041\" aria-describedby=\"caption-attachment-1041\" style=\"width: 225px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1041 size-medium\" src=\"http:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/IMG_3364-225x300.jpg\" alt=\"IMG_3364\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/IMG_3364-225x300.jpg 225w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/IMG_3364-600x800.jpg 600w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/IMG_3364.jpg 735w\" sizes=\"auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1041\" class=\"wp-caption-text\">Ein H\u00e4uflein in Ehren!<\/figcaption><\/figure>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die talpa europaea gewinnt immer.\u00a0 Ein Mann mag k\u00e4mpfen k\u00f6nnen wie\u00a0 Conan der Barbar, er mag ein Herkules sein oder in den Zaubertrank gefallen &#8211; gegen den Maulwurf ist er machtlos. Das hat schon Meister Brehm beobachtet. Im &#8220;Tierleben&#8221; schildert er einen der f\u00fcrchtenswertesten Feinde des Menschen:<\/p>\n<p>&#8220;Das Graben selbst wird dem Maulwurf sehr leicht. Mit H\u00fclfe seiner starken Nackenmuskeln und der gewaltigen Schaufelh\u00e4nde, mit denen er sich an einem bestimmten Orte festh\u00e4lt, bohrt er die Schnauze in den lockeren Boden ein, zerscharrt um sich herum die Erdschollen mit den Vorderpfoten und wirft sie mit au\u00dferordentlicher Schnelligkeit hinter sich.&#8221;<\/p>\n<figure id=\"attachment_1039\" aria-describedby=\"caption-attachment-1039\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1039 size-medium\" src=\"http:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/IMG_3351-300x225.jpg\" alt=\"IMG_3351\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/IMG_3351-300x225.jpg 300w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/IMG_3351-600x450.jpg 600w, https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/IMG_3351.jpg 980w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1039\" class=\"wp-caption-text\">Fr\u00fchjahr wird&#8217;s! Sch\u00f6ne Aussichten f\u00fcr den Gartenfreund.<\/figcaption><\/figure>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es ist wie ein Horrorfilm. Happy End ausgeschllossen. Und es h\u00f6ret nit auf:<\/p>\n<p>&#8220;Durch die Schlie\u00dff\u00e4higkeit seiner Ohren ist er vor dem Eindringen von Sand und Erde in dieselben vollkommen gesch\u00fctzt. Die aufgescharrte Erde l\u00e4\u00dft er in seinem eben gemachten Gange so lange hinter sich liegen, bis die Menge ihm unbequem wird. Dann versucht er an die Oberfl\u00e4che zu kommen und wirft die Erde nach und nach mit der Schnauze heraus. Dabei ist er fast immer mit einer 12 bis 15 Centimeter hohen Schicht lockerer Erde \u00fcberdeckt. In leichtem Boden gr\u00e4bt er mit einer wirklich verwunderungsw\u00fcrdigen Schnelligkeit.&#8221;<\/p>\n<p>Genug, ach, es ist genug! Da hilft nur eines: den Dreck weg machen und allen Hass gleich mit begraben.<\/p>\n<p style=\"text-align: right\"><strong>Morgen: Springkraut, oder: freundliche \u00dcbernahme<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>lindow, 27. m\u00e4rz 2015 K\u00fchl und grau ist es am See. Aber im Wald piepen sich Meise und Co die Fr\u00fchlingsgef\u00fchle aus den Federn. D\u00fcrr steht das Schilf am Ufer, aber an den Weiden plustern sich schon die ersten Knospen auf. Noch sind die Wiesen winterbraun, doch an einigen Stellen lugen die ersten Schl\u00fcsselblumen ins [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":1038,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-1034","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-uncategorized","has-post-title","has-post-date","has-post-category","has-post-tag","has-post-comment","has-post-author",""],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1034","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1034"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1034\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1048,"href":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1034\/revisions\/1048"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1038"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1034"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1034"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/vettensjournal.de\/klassischer-journalismus\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1034"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}